Optiker in Kaufbeuren im Allgäu
 
Brillen, Gleitsichtgläser, Augenüberprüfung, brille to go, uvm

Visus oder Sehleistung

Was ist eigentlich die Sehleistung/ der Visus

Die meisten Menschen sprechen von Sehleistung in Prozent, viele Augenoptiker und Ärzte von Visus. Gemeint ist im Grunde dasselbe: ein Maß dafür, wie klein ein Detail sein darf, damit es noch sicher erkannt werden kann.
Wichtig dabei:
Der Visus ist keine Prozentangabe – auch wenn im Alltag fast jeder von „100 % Sehleistung“ spricht. Fachlich ist diese Angabe jedoch falsch.
Niemand hat tatsächlich 80, 100 oder 120 % Sehleistung. Ebenso wenig beschreibt der Visus die Dioptrienzahl oder die Stärke einer Brille. Er zeigt vielmehr, wie gut ein Mensch tatsächlich sieht.

Wie entsteht der Visus?

Optisch basiert der Visus auf der sogenannten Winkelauflösung des Auges. Er beschreibt den kleinsten Sehwinkel, unter dem zwei Punkte noch getrennt wahrgenommen werden können.
Beim sogenannten Normalvisus liegt diese Grenze bei einer Bogenminute (1'). Ein Visus von 1,0 entspricht also einer Auflösung von 1', ein Visus von 2,0 einer Auflösung von 0,5 Bogenminuten. 

Der maximal erreichbare Visus entsteht im wesentlich auf der Netzhaut, wie viele Rezeptoren sind an der Informationsweitergabe an die Sehrinde des Großhirns beteiligt. 

Visusverlust

Wenn der Visus sinkt gibt es dafür 3 wesentliche Gründe

  • Die Sehstärke: Es kommen nicht mehr alle Informationen sauber auf der Netzhaut an. Die einfachste Lösung sind neue Brillengläser oder Kontaktlinsen.
  • (Regenerative) Veränderungen der optischen Medien des Auges: Zum Beispiel beim Grauen Star (Katarakt). Die Augenlinse trübt sich ein, Licht wird gestreut oder gelangt teilweise gar nicht mehr korrekt auf die Netzhaut. Die Lösung ist häufig ein Linsentausch mit anschließend wieder klarer Sicht.
  • Degenerativer Veränderung der Netzhaut: Zum Beispiel bei einer AMD (altersbedingte Makuladegeneration). Dabei entstehen irreversible Veränderungen auf der Netzhaut. Bestimmte Bereiche können Informationen nicht mehr korrekt weiterleiten.
    Man kann sich das vorstellen wie kleine schwarze Aufkleber auf einem Fernseherbildschirm. Es fehlen Informationen, um das vollständige Bild darzustellen. Anfangs kann das Gehirn diese fehlenden Bereiche teilweise noch ergänzen oder kompensieren. Später gelingt das immer schlechter – der Visus sinkt.

Darum ist der maximale Visus individuell?

Der entscheidende Punkt dabei: Relevant ist immer der maximal erreichbare Visus – mit optimaler Korrektur oder ohne.
Wie gut jemand ohne Brille sieht, sagt zunächst nur aus, wie stark der optische Fehler des Auges ist. Manche Menschen erreichen ihren maximalen Visus ohne Korrektur – man spricht hier von Rechtsichtigkeit. Ist ein Auge fehlsichtig, sinkt der Visus zunächst ab. Mit einer optimalen Korrektur kann dieser maximale Visus häufig wieder erreicht werden.
Wie hoch dieser maximale Visus überhaupt sein kann, wird jedoch durch die Netzhaut selbst vorgegeben.
Ziel jeder Korrektur ist lediglich, möglichst viele Informationen sauber auf die Netzhaut zu projizieren. Die eigentliche Auflösung entsteht erst dort. Deshalb kann weder eine Brille noch eine LASIK-Operation oder ein anderer Eingriff den physiologisch maximal möglichen Visus der Netzhaut erhöhen.

Bedeutet ein Visus von 1,0 automatisch „100 %“?

Nein.
Ein Visus von 1,0 wird oft fälschlicherweise mit „100 % Sehleistung“ gleichgesetzt. Tatsächlich bedeutet er lediglich, dass die Sehschärfe im Bereich des durchschnittlichen Normalvisus liegt.
Viele Kinder, Jugendliche und auch einige Erwachsene erreichen problemlos einen Visus von 1,2 oder höher. In solchen Fällen stellen 1,2 oder 1,6 die individuellen „100 %“ dieser Person dar.

Darum schwankt der Visus im Alltag?

Der Visus wird standardisiert bei Tageslicht gemessen. Erfolgt die Messung dagegen in einem zu dunklen Raum, kann das Auge durch Dunkeladaptation leicht myoper werden. Dadurch entstehen scheinbare Fehlsichtigkeiten, die unter normalen Tageslichtbedingungen häufig gar nicht vorhanden wären.
Auch im Alltag wirkt Sehen oft schlechter als unter Messbedingungen. Kontrast, Beleuchtung, Blendung und Pupillengröße schwanken dort deutlich stärker als in einer standardisierten Refraktionssituation.

Warum werden Prozentangaben trotzdem häufig verwendet?

Weil sie Veränderungen für viele Menschen verständlicher machen können.
Ein gutes Beispiel liefert der Straßenverkehr: Der Gesetzgeber verlangt zum Führen eines Kraftfahrzeugs einen Visus von 0,7 – nicht „70 % Sehleistung“. Dabei spielt keine Rolle, ob dieser Visus mit oder ohne Brille erreicht wird.
Verliert beispielsweise jemand 20 % seiner maximalen Sehleistung, kann das sehr unterschiedliche Auswirkungen haben.
Hat eine Person ursprünglich einen maximalen Visus von 0,8 und fällt um 20 % auf etwa 0,6 ab, dürfte sie kein Fahrzeug mehr führen. Eine andere Person mit einem maximalen Visus von 1,2 würde nach demselben Verlust weiterhin oberhalb der gesetzlichen Mindestanforderung liegen.


 
 
 
 
 
E-Mail
Anruf
Karte
Instagram